Posts Tagged ‘Wirtschaft’

Kostolany hat Recht und der Goldstern sinkt

Liebe Börsianer,

die Umsätze an den Börsen sind bei wieder ansteigenden Kursen gering. Für Kostolany war dies, im Gegensatz zur geläufigen Meinung der Chartanalysten, stets ein positives Zeichen im längerfristigen Verlauf. Denn wo wenige Hartgesottene kaufen wird erst weiter oben an die Meute verkauft  (schauen Sie sich die Grafik an). Ich sehe das genauso. Das Zinsumfeld bleibt für Dividendenpapiere vorerst günstig und die US-Wirtschaft kommt in Fahrt.

Für Anhänger der edlen Metalle scheint es dagegen eng zu werden. Der Goldpreis tut sich schwer mit neuen Hochs. Interessanter Weise ist das so, seitdem letztes Jahr die ersten widersprüchlichen Meldungen zum An- und Verkauf der Goldanteile von Soros & Co veröffentlicht wurden. Für mich ist der monatelange Seitwärtsmarkt beim Gold ein Zeichen für den Verkauf der großen Goldspekulanten. Die nahenden Zinserhöhungen waren quasi der Startschuss. Die Goldstory droht zu wanken, das Krisengeschrei nutzt sich ab und mein Szenario vom Januar könnte aufgehen.

In diesem Sinne, hochachtungsvoll

Ihr Börsenphilosoph

Die Zittrigen werden es niemals lernen!

Da laufen sie, die zittrigen Hände. Aktien runter, Edelmetalle runter, Öl runter. Die Zeichen der nahenden Korrektur wurden in den Blogs besprochen. Die Hartgesottenen verkauften schon Wochen vorher und ließen die anderen sich selbst verfüttern. Schon vor Japan ging es bergab. Das Übrige ergab sich von allein. In den Medien nimmt das Wort „Risiko“ unendlichen Raum ein. Selbst in sonst sehr gemütlichen Mitternachtstalks der Öffentlich-Rechtlichen fliegen die Fetzen, in Angst vor dem unsichtbaren nuklearen oder genetischen Feind. Unsichtbar ist auch die Inflation. Interessant ist, dass Menschen in realen Notsituationen viel besonnener reagieren, als in Angstsituationen ohne direkte Betroffenheit. Der Zittrige ist jetzt überfordert. Er hat Angst vor den unbekannten Folgen des japanischen Unglücks. Dabei ist Japan unser Exportkonkurrent, dessen Produktionsausfälle von anderen schnell kompensiert werden können. Die Hartgesottenen haben das erkannt und kaufen bereits. Und die Zittrigen werden später wieder laufen.

In diesem Sinne, hochachtungsvoll

Ihr Börsenphilosoph

Unfassbarer Wirtschaftsaufschwung!

Was sagen uns diese Woche die amerikanischen Wirtschaftszahlen?

Oh, die persönlichen Auslagen sind unverändert, dagegen sind die Einkommen der Bürger gestiegen. Die Chef-Einkäufer haben eine positivere Meinung, als erwartet. Die Hausverkäufe liegen im Rahmen der Erwartungen. Es gibt außerhalb der Landwirtschaft ca. zweihunderttausend neue Arbeitsplätze. Die Zahl der neuen Arbeitslosenmeldungen und die Arbeitslosenquote sind besser als erwartet und sinken weiter. Die Effizienz der produzierenden Firmen steigt. Die Stundenlöhne sind konstant und die Arbeitsstunden auch. Und zu guter Letzt, steigen auch noch die Industrieaufträge kräftig.

Und wo ist der Haken an der Sache? Nee, den gibt es nicht. Das ist ein Wirtschaftsaufschwung. Einfach so…auch mit Schulden. Ja gibt’s denn sowas!?

In diesem Sinne, hochachtungsvoll

Ihr Börsenphilosoph

Effectuation und Börsenhandel

Liebe Leser,

im Leben lässt sich nur wenig planen. Schaut man zurück, so wird man erkennen, dass sich vieles aus Gelegenheiten ergab, die so nicht vorhergesehen wurden. Das Ungewisse an sich ist im Rückblick selten das Problem, die Ungewissheit vorher umso mehr. Eine Situation und insbesondere das Leben nicht unter Kontrolle zuhaben, ist furchtbar. Jeder Börsenneuling kennt das: Er wirft sich in ein Abenteuer voller Erwartungen, voller Freude auf Rendite und erkennt früher oder später, dass Gewinne nicht zu planen sind.

Um länger im Spiel zu bleiben, könnte der Börsianer sein Geschäft als richtiges Unternehmen betrachten. Viele Größen der Börsenszene empfehlen die Aufstellung von Businessplänen mit genauer Beschreibung des Handelssystems und mit Zielvorgaben. Spätestens bei den ersten großen Verlustserien tritt immer wieder Ernüchterung ein. Die Realität kommt den Wünschen nicht nach. Was kann man dennoch in solch ungewissen Milieus tun, um sein eigenes Unternehmen „Börse“ zu führen?

Saras Sarasvathy, Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Virginia, erforschte jene Strategien, die erfolgreiche Unternehmer in ihrem Alltag anwenden. Die alten Management-Lehrmeinungen gehen davon aus, dass sich innovative Gründer zunächst Ziele setzen, dann Marktforschung betreiben und schließlich Businesspläne aufstellen. Sarasvathy kam zu dem Ergebnis, dass dieser Ansatz von rund 90 Prozent der Unternehmer jedoch nicht befolgt wird. Sie handeln eher situationsbedingt ohne detaillierte Pläne, d.h. sie schauen, welche Möglichkeiten sich gerade bieten und entwickeln anhand der vorhandenen Ressourcen den Ausbau ihrer Geschäfte und Netzwerke. Der große Unterschied zwischen Management-Lehre und Unternehmertum liegt darin, dass ersteres primär zielorientiert und letztes mittelorientiert ausgerichtet ist. Die Konzentration auf seine eigenen Mittel und Fähigkeiten bietet den Vorteil, mit Unsicherheiten besser umgehen zu können, ja sie sogar für den eigenen Vorteil zu nutzen. In der Entrepreneurship-Forschung hat sich dieser Effectuation-Ansatz teilweise etabliert. Die grundlegenden Schlüsse werden in fünf Punkten zusammengefasst:

  1. Die unsichere Zukunft wird nicht geplant, sondern selbst gestaltet.
  2. Unternehmerische Ideen werden ausgehend von zur Verfügung stehenden Ressourcen umgesetzt.
  3. Das Geschäftsmodell wird während des laufenden Betriebes dynamisch gestaltet.
  4. Entschieden wird nicht anhand unsicherer Renditen, sondern anhand (psychologisch/wirtschaftlich) vertretbarer Verluste.
  5. Mit Unvorhergesehenem wird gerechnet und darauf zu eigenem Gunsten flexibel reagiert.

Übertragen wir den Effectuation-Ansatz auf unser Unternehmen „Börse“, ergeben sich spannende Handlungsoptionen, die im nächsten Beitrag besprochen werden.

Nähere Informationen zur Effectuation finden sich auf den Seiten http://www.effectuation.at und http://www.darden.virginia.edu/web/Batten-Institute/

Im folgenden Video erläutert Saras Sarasvathy ihren Forschungsansatz:

In diesem Sinne, hochachtungsvoll

Ihr Börsenphilosoph

Bisheriges Jahresergebnis: -45%

Mein Depot an schönen Wintertagen

Die Sonne scheint über Berlin und die milden Temperaturen lassen das Gefühl von Frühling in die Seele. Genau das Richtige, um über mein Minus im Depot hinwegzuschlendern, draußen im Park.

Unsere Welt ist ein ständiges Hin und Her. Zyklen sind der Lauf der Dinge und garantieren den Erhalt, wie beim Räuber-Beute-Schema. Ein Kleinkind spielt nicht mehr mit seinem Spielzeug, wenn es uninteressant wird. Doch später entdeckt es das Spiel erneut und freut sich wieder. Das Lieblingsessen schmeckt nicht mehr, wenn man zuviel davon isst, um nach ein paar Wochen wieder lecker zu sein. Die Mode wird „out“, wenn sie alle tragen, aber die 80er sind wieder „in“.  Zinsen werden erhöht, wenn die Wirtschaft blüht, was die Lage wieder verschlechtert. Die Preise steigen, wenn viele kaufen wollen, sodass es bald kaum noch Käufer gibt.

So spaziere ich hier und muss erkennen, dass mein Depot in Zyklen schwingt. Sogar an schönen Wintertagen bremst es meinen Übermut…

In diesem Sinne, hochachtungsvoll

Ihr Börsenphilosoph

Mein Szenario für Gold und Anleihen – Ich kann nichts vorhersagen, aber nachher möchte ich auch nichts sagen

Ein Streit unter Börsianer ist immer unappetitlich. Wie kleine Kinder verharren sie bockig auf ihrem Egotrip und weichen keinen Deut von ihrer vorgefertigten Meinung ab. Letztes Wochenende riet mir ein Anlageberater zur Positionierung in Edelmetalle (80% Silber, 20% Gold). Es ist schade wenn mir jemand ohne Bescheidenheit etwas einreden möchte. In solchen Situationen schalte ich instinktiv ab, wobei das ein oder andere Argument sicherlich seine Berechtigung hätte.

Hier ist meine bescheidene Antwort:

  • Sachwerte werden zurzeit gekauft, weil man unter anderem Angst vor Hyperinflation oder einem irgendwie gearteten Zusammenbruch des Wirtschaftssystems hat
  • wird die befürchtete Hyperinflation nicht kommen, treten andere Märkte in den Fokus und Edelmetalle werden verkauft
  • Hyperinflation ist erst möglich, wenn eine Lohn-Preis-Spirale an Eigendynamik gewinnt, der Druck des internationalen Arbeitsmarktes erschwert jedoch Lohnsteigerungen
  • eine anziehende US-Wirtschaftserholung wird zum einen die Front der Apokalyptiker bröckeln lassen und früher oder später zur Anhebung der Leitzinsen führen, was wiederum zum Sturz der Anleihe- und Edelmetallkurse führen wird
  • begünstigt wird der gesamte Prozess dadurch, dass man nach der wirtschaftlichen Erholung wohl zu einer realistischen Bewertung der „faulen“ Subprimekredite kommen wird und sich die staatlichen Stützungsmaßnahmen als Plusgeschäfte herausstellen werden, was die Staatsverschuldung mildert
  • vieles scheint somit von der wirtschaftlichen Entwicklung, vor allem der USA, abzuhängen, deren traditionelle Antriebskraft nicht zu unterschätzt ist

Fazit: Spätestens, wenn die Zahl der Food-Stamp-Bezieher rückläufig ist, könnten Sachwerte- und Anleihemärkte stark korrigieren.

Wann und ob mein Szenario überhaupt eintrifft, wird sich zeigen. Hoffentlich noch im Laufe dieses Jahres, denn „In einem Jahr werden wir uns wieder sehen!“, drohte er.

In diesem Sinne, hochachtungsvoll

Ihr Börsenphilosoph

Die Macht der Wenigen – die Investmentblase

Ich möchte mich heute einem Thema widmen, das für viele Börsianer zu den interessantesten gehören könnte: die Investmentblase. Und wie so oft werde ich versuchen, die Dinge etwas anders als die etablierten Ansichten zu beschreiben.

Als erstes schlage ich dem Leser vor, die Annahme es gäbe einen „fundamental fairen“ Preis einer Aktie zu überdenken. Wie ich bereits erläutert habe, führt dieser Weg in der Praxis zu gefährlichen Risiken. Als nächstes sollten Sie sich die Wirtschaft als ein System vorstellen, das reflexiv miteinander verwoben ist – ein System, das seine eigenen Ergebnisse wieder in sich selbst verarbeitet und für den Beobachter (Firmen, Wissenschaftler, Banken, Haushalte usw.) eine unendlich laufende nichttriviale Maschine darstellt. Die Wirtschaft ist also auch eine „Maschine“, die scheinbar Zufälliges produziert, obwohl immer das Gleiche hinein gesteckt wird. Aber jetzt zurück zur Investmentblase: Wir fangen da an, womit alles beginnt, dem Platzen einer Blase.

Wo es bei sinkenden Kursen Verkäufer gibt, muss es auch Käufer geben. Ihr Glück ist es, wenn genügend weitere Käufer zur gleichen Zeit zufällig die Kurse stützen oder gar zum Steigen bringen. In der Regel ist die Anzahl der Geldbesitzer zu diesem Zeitpunkt größer, als die Anzahl der Aktienbesitzer. Durch noch mehr Glück werden andere flüssige Marktbeobachter angesichts steigender Kurse zum Einstieg ermutigt und erzeugen damit einen handfesten Trend, der sich durch sich selbst ernährt (reflexives System). Beißen nicht genügend Käufer an (warum auch immer) bildet sich kein selbst tragender Trend und die Kurse fallen erneut, bis sich wieder zufällig genügend Käufer finden. Doch nehmen wir jetzt an, dass sich die Hausse weiter trägt. Im Laufe der Zeit wird die Anzahl der Aktienbesitzer steigen und die der Geldbesitzer sinken. Jene, die zu niedrigen Preisen gekauft haben, können beruhigter bei höheren Preisen verkaufen. Und jetzt kommen wir zu dem entscheidenden Punkt: aus welchem Grund auch immer, ob sie an „faire“ Preise glauben, ob sie Widerstände sehen, ob sie sich von ihren Gewinnen einen Porsche kaufen oder in den Urlaub fahren, ob sie ihre Gewinnvorgaben bereits erfüllt haben oder ob sie sich in anderen Märkten umsehen, die wenigen Geldbesitzer kaufen nicht mehr. Und solange Zinssenkungen, Steuerermäßigungen, Zuschüsse usw. kein neues Geld zur Verfügung stellen, bleiben hingegen die vielen Aktienbesitzer auf ihren Aktien sitzen und können diese nur noch unter Verlust bei niedrigen Preisen verkaufen. Somit fallen die Kurse bis…ja bis sich zufällig genügend Käufer finden, die Kurse wieder steigen und der Kreis sich letztlich schließt.Verteilung von Aktien- und Geldbesitzern im Aufwärtstrend

Im Gegensatz zur geläufigen Meinung, ist der Wert einer Aktie zur Beurteilung von „teuer“ oder „billig“ unerheblich. Das Verhältnis von Aktienbesitzern (potenziellen Verkäufern) und Geldbesitzern (potenziellen Käufern) verspricht dahingehend größeren Anschlusswert. Begründen möchte ich diesen Ansatz mit etwas mehr Theorie.Verteilung von Aktien- und Geldbesitzern im Abwärtstrend

In unserem Wirtschaftssystem ist das Geld ein Medium das Zahlungen erst ermöglicht. Je breiter das Geld gestreut ist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Zahlungen erfolgen. Je weniger das Geld verteilt ist, desto mehr hängt es von den Wenigen ab, ob gezahlt wird oder nicht. Instabilitäten entstehen aber auch, wenn Wenige die Sachwerte innehaben. Sie können verkaufen, müssen aber nicht. Den stabilsten Zustand, im Sinne von relativ vielen Zahlungen, können wir in der Mitte der Bewegung verorten, an dem oft die größten Umsätze auszumachen sind. Wenn Sie meinen Ausführungen bis hierher aufmerksam folgen konnten, erkennen Sie evtl. bereits die Zusammenhänge:

Hochs und Tiefs sind Zustände, in denen eine Minderheit den Markt beherrschen kann.

Prekär wird es gar, wenn es den Wenigen gelingt, sich abzusprechen.

Demnach schauen Sie bitte nicht nur auf die Preise und Indizes-Punkte, als vielmehr auf Streubesitz, Leitzinsen und auf das Verhalten der Privatanleger und der starken Minderheit.

Übrigens: André Kostolany bezeichnete die Minderheit als „Hartgesottene“ und die Mehrheit als „Zittrige“.

In diesem Sinne, hochachtungsvoll

Ihr Börsenphilosoph

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