Posts Tagged ‘Kostolany’

Kostolany hat Recht und der Goldstern sinkt

Liebe Börsianer,

die Umsätze an den Börsen sind bei wieder ansteigenden Kursen gering. Für Kostolany war dies, im Gegensatz zur geläufigen Meinung der Chartanalysten, stets ein positives Zeichen im längerfristigen Verlauf. Denn wo wenige Hartgesottene kaufen wird erst weiter oben an die Meute verkauft  (schauen Sie sich die Grafik an). Ich sehe das genauso. Das Zinsumfeld bleibt für Dividendenpapiere vorerst günstig und die US-Wirtschaft kommt in Fahrt.

Für Anhänger der edlen Metalle scheint es dagegen eng zu werden. Der Goldpreis tut sich schwer mit neuen Hochs. Interessanter Weise ist das so, seitdem letztes Jahr die ersten widersprüchlichen Meldungen zum An- und Verkauf der Goldanteile von Soros & Co veröffentlicht wurden. Für mich ist der monatelange Seitwärtsmarkt beim Gold ein Zeichen für den Verkauf der großen Goldspekulanten. Die nahenden Zinserhöhungen waren quasi der Startschuss. Die Goldstory droht zu wanken, das Krisengeschrei nutzt sich ab und mein Szenario vom Januar könnte aufgehen.

In diesem Sinne, hochachtungsvoll

Ihr Börsenphilosoph

Von Rattenfängerbüchern und Kostolanys

Neulich auf der Party meiner Liebsten kam ein Freund zu mir und fragte: „Du kennst Dich doch mit der Börse aus. Können wir uns nicht mal in Ruhe unterhalten, damit Du mir ein paar Tipps geben kannst?“. Bei solchen Gelegenheiten, pflege ich aus Fürsorge stets denselben Rat zu geben: „Lass es sein! Kaufe Dir ein Haus oder eine schöne Wohnung und werde mit Deiner Familie glücklich!“ Dennoch ließ er sich nicht von der Idee abbringen, sodass ich ihm aus meiner Bibliothek einen Kostolany-Sammelband zur Vorbereitung gab. Ein weiterer Gast lauschte interessiert und zupfte sich ein überteuertes Rattenfängerbuch von Jeff Cooper aus dem Regal. Ich redete auf ihn ein, diesen Fehler nicht zu begehen. Es half nichts.

So ließ ich es in der Weisheit geschehen, dass irgendwer ja diese Party bezahlen muss.

In diesem Sinne, hochachtungsvoll

Ihr Börsenphilosoph

Die Macht der Wenigen – die Investmentblase

Ich möchte mich heute einem Thema widmen, das für viele Börsianer zu den interessantesten gehören könnte: die Investmentblase. Und wie so oft werde ich versuchen, die Dinge etwas anders als die etablierten Ansichten zu beschreiben.

Als erstes schlage ich dem Leser vor, die Annahme es gäbe einen „fundamental fairen“ Preis einer Aktie zu überdenken. Wie ich bereits erläutert habe, führt dieser Weg in der Praxis zu gefährlichen Risiken. Als nächstes sollten Sie sich die Wirtschaft als ein System vorstellen, das reflexiv miteinander verwoben ist – ein System, das seine eigenen Ergebnisse wieder in sich selbst verarbeitet und für den Beobachter (Firmen, Wissenschaftler, Banken, Haushalte usw.) eine unendlich laufende nichttriviale Maschine darstellt. Die Wirtschaft ist also auch eine „Maschine“, die scheinbar Zufälliges produziert, obwohl immer das Gleiche hinein gesteckt wird. Aber jetzt zurück zur Investmentblase: Wir fangen da an, womit alles beginnt, dem Platzen einer Blase.

Wo es bei sinkenden Kursen Verkäufer gibt, muss es auch Käufer geben. Ihr Glück ist es, wenn genügend weitere Käufer zur gleichen Zeit zufällig die Kurse stützen oder gar zum Steigen bringen. In der Regel ist die Anzahl der Geldbesitzer zu diesem Zeitpunkt größer, als die Anzahl der Aktienbesitzer. Durch noch mehr Glück werden andere flüssige Marktbeobachter angesichts steigender Kurse zum Einstieg ermutigt und erzeugen damit einen handfesten Trend, der sich durch sich selbst ernährt (reflexives System). Beißen nicht genügend Käufer an (warum auch immer) bildet sich kein selbst tragender Trend und die Kurse fallen erneut, bis sich wieder zufällig genügend Käufer finden. Doch nehmen wir jetzt an, dass sich die Hausse weiter trägt. Im Laufe der Zeit wird die Anzahl der Aktienbesitzer steigen und die der Geldbesitzer sinken. Jene, die zu niedrigen Preisen gekauft haben, können beruhigter bei höheren Preisen verkaufen. Und jetzt kommen wir zu dem entscheidenden Punkt: aus welchem Grund auch immer, ob sie an „faire“ Preise glauben, ob sie Widerstände sehen, ob sie sich von ihren Gewinnen einen Porsche kaufen oder in den Urlaub fahren, ob sie ihre Gewinnvorgaben bereits erfüllt haben oder ob sie sich in anderen Märkten umsehen, die wenigen Geldbesitzer kaufen nicht mehr. Und solange Zinssenkungen, Steuerermäßigungen, Zuschüsse usw. kein neues Geld zur Verfügung stellen, bleiben hingegen die vielen Aktienbesitzer auf ihren Aktien sitzen und können diese nur noch unter Verlust bei niedrigen Preisen verkaufen. Somit fallen die Kurse bis…ja bis sich zufällig genügend Käufer finden, die Kurse wieder steigen und der Kreis sich letztlich schließt.Verteilung von Aktien- und Geldbesitzern im Aufwärtstrend

Im Gegensatz zur geläufigen Meinung, ist der Wert einer Aktie zur Beurteilung von „teuer“ oder „billig“ unerheblich. Das Verhältnis von Aktienbesitzern (potenziellen Verkäufern) und Geldbesitzern (potenziellen Käufern) verspricht dahingehend größeren Anschlusswert. Begründen möchte ich diesen Ansatz mit etwas mehr Theorie.Verteilung von Aktien- und Geldbesitzern im Abwärtstrend

In unserem Wirtschaftssystem ist das Geld ein Medium das Zahlungen erst ermöglicht. Je breiter das Geld gestreut ist, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Zahlungen erfolgen. Je weniger das Geld verteilt ist, desto mehr hängt es von den Wenigen ab, ob gezahlt wird oder nicht. Instabilitäten entstehen aber auch, wenn Wenige die Sachwerte innehaben. Sie können verkaufen, müssen aber nicht. Den stabilsten Zustand, im Sinne von relativ vielen Zahlungen, können wir in der Mitte der Bewegung verorten, an dem oft die größten Umsätze auszumachen sind. Wenn Sie meinen Ausführungen bis hierher aufmerksam folgen konnten, erkennen Sie evtl. bereits die Zusammenhänge:

Hochs und Tiefs sind Zustände, in denen eine Minderheit den Markt beherrschen kann.

Prekär wird es gar, wenn es den Wenigen gelingt, sich abzusprechen.

Demnach schauen Sie bitte nicht nur auf die Preise und Indizes-Punkte, als vielmehr auf Streubesitz, Leitzinsen und auf das Verhalten der Privatanleger und der starken Minderheit.

Übrigens: André Kostolany bezeichnete die Minderheit als „Hartgesottene“ und die Mehrheit als „Zittrige“.

In diesem Sinne, hochachtungsvoll

Ihr Börsenphilosoph

Was machte Kostolany anders?

Mit über siebzig Jahren Börsenerfahrung war André Kostolany nicht nur Anwalt der Kleinanleger, großartiger Geschichtenerzähler und leidenschaftlicher Spekulant, er war auch ein Querdenker. Und dazu ein besonders erfolgreicher. Doch wie kann es einem, der sich gegen die vorherrschende Meinung stellt, gelingen, an der Börse sein Auskommen zu finden? Dieser Frage möchte ich mich heute in theoretischer Weise nähern und entführe Sie gleich in ein surreales Szenario.

Stellen Sie sich selbst in einer riesigen Dunkelkammer vor, in der Sie absolut nichts sehen können. Sie wissen aber, dass sich weit entfernt irgendwo zwei Ausgänge befinden: der eine Ausgang bedeutet „Gewinn“, der andere „bankrott“. In der Kammer befinden sich tausende weiterer blinder Händler, die genau wie Sie dieser misslichen Lage ausgeliefert sind. Wie können Sie sich orientieren? Sicherlich durch Sprechen und Tasten.

So versuchen Sie, wie die anderen Blinden, Kontakt durch Rufen aufzunehmen. Doch Sie sprechen nur Fundamentalistisch und anderssprechende Händler, wie z.B. die Charttechniker oder Astrologen, verstehen Sie gar nicht oder nur bruchstückhaft.

Plötzlich hören Sie einen Fundamentalisten, der zu glauben scheint, wo sich der Ausgang „Gewinn“ befindet. Sofort folgen Sie der Stimme und versuchen sich, durch die Massen zu kämpfen. Auf dem Weg zur Stimme stoßen Sie dauernd gegen andere lautstarke Händler. Alle scheinen in ständiger Bewegung zu sein. Sie werden geschubst und getreten. Es wird gebrüllt und geschrien. Und so passiert es, dass Sie der gesuchten Stimme nicht mehr folgen können. Sogleich machen Sie sich auf die Suche nach anderen Fundamentalisten. Sie haben Glück: zwei weitere Gleichgesinnte kreuzen zufällig Ihren Weg und scheinen in die Richtung zu laufen, die Sie bereits eingeschlagen haben. Taumelnd vor Freude rasen Sie mit Ihren neuen Freunden durch die Dunkelheit, versammeln weitere Jünger um sich und schieben mit Ihrer geballten Masse alle Hindernisse beiseite. Alles scheint gut zu laufen, bis plötzlich ein harter Schlag Sie aus den Träumen holt und Sie erkennen müssen, bankrott zu sein.

Vielleicht haben Sie es längst erkannt: so oder so ähnlich kann es Ihnen ergehen, wenn Sie die Zusammensetzung der Märkte nicht verstehen  und sich von Gerüchten, Tipps sowie eigenen Forschungen leiten lassen müssen. Ihre beschränkte Sichtweise auf das selbstreferenzielle Wirtschaftssystem wird aber den komplexen Zusammenhängen nicht gerecht und wird Sie immer wieder Rückschläge erleiden lassen.

Kostolany fand oft den richtigen Ausgang, weil er gemäß seiner ganzheitlichen Betrachtung die Märkte verstand. Er spezialisierte sich nicht auf eine der Sprachen, die an den Börsen gesprochen wurden. Obwohl ihm Begriffe der Fundamental- und Chartanalyse geläufig waren und sogar Aberglaube für ihn eine Rolle spielte, folgte er seinen eigenen Kategorien: Er unterschied alle Händler in hartgesottene und zittrige Hände, also in jene, die hektisch im Dunkeln lautstark hin und her springen und in jene, die ruhig und besonnen den richtigen Ausgang suchen und deshalb weniger mit anderen Händlern kollidieren. Da wirklich jeder Händler zu einem bestimmten Zeitpunkt den beiden Kategorien zugeordnet werden kann, beobachtete Kostolany somit den gesamten Markt. Für ihn war das Gespür für den Lautstärkepegel und das Gedränge wichtiger, als der Klatsch und die heißen Tipps selbst. Spürte er, dass die tobende Masse sich in eine Richtung bewegte, wich er dieser aus und schlug demonstrativ die andere Richtung ein. Denn für Kostolany bezahlte schon immer die aufgebrachte Mehrheit (ca. 90%) die wenigen Hartgesottenen (ca. 10%). Aufgrund dieser Betrachtungsweise interessierten ihn auch nicht die täglichen Kurse seiner Arrangements. Er riet sogar davon ab, weil selbst der Hartgesottenste dem hektischen Treiben kaum widerstehen könnte.

 

In diesem Sinne, hochachtungsvoll

 

Ihr Börsenphilosoph

%d Bloggern gefällt das: