Am Sonntag macht die Börse auf

Es ist schon bewegend, wenn man die vielen Menschen am Tahrir sieht. Dort, wo ich letztes Jahr noch täglich vorbeihastete.

Damals schrieben eines Tages die kairiner Blätter von einem „schwarzen Montag“, nachdem die ägyptische Börse wegen säumiger Schuldner aus Dubai um acht Prozent einbrach. Ein gewaltiger Schock für den ägyptischen Kleinanleger. Ein Bürokollege, der ebenfalls auf Aktien saß, fragte mich nach meiner Einschätzung. Zu seinem Erstaunen fand ich diesen Einbruch hervorragend und rat ihm zu Gelassenheit. Es dauerte nicht lang und die Kurse stiegen auf neue Höhen.

Auch in diesen Tagen, nachdem die Börse um zwanzig Prozent fiel und der Handel ausgesetzt wurde, schreibt die al-Ahram:„Schwarze Tage in der Geschichte der ägyptischen Börse“.

Lieber Kollege, bleibe gelassen! Am Sonntag macht die Börse auf. Die Kurse werden steigen. Und um den Tahrir fahren wieder die Autos…

Ihr Börsenphilosoph

Advertisements

Effectuation und Börsenhandel (Fortsetzung)

Im letzten Artikel stellte ich bereits die Idee des Effectuation-Ansatzes und dessen Leitlinien für den Unternehmer vor. Versuchen wir nunmehr, die aufgezählten Punkte auf den Börsenhandel anzuwenden und schauen wir, ob sie uns zu neuen Ideen führen:

  • Die unsichere Zukunft wird nicht geplant, sondern selbst gestaltet.

Als Börsianer könnte man diesen Punkt als Hinweis verstehen, dass er sich keine Illusionen über seine Börsenkarriere machen sollte. Langfristige Planungen mit monatlichen Renditezielen frustrieren später mehr, als sie im Moment der Planung Freude bereiten. Selbstgestalten kann man jedoch sein Maß an Flexibilität, das bei dynamisch verändernden Märkten benötigt wird.

  • Unternehmerische Ideen werden ausgehend von zur Verfügung stehenden Ressourcen umgesetzt.

Der Börsianer könnte sich fragen: Was steht mir zur Verfügung und wann und wo kann ich etwas damit anfangen? Zu den Ressourcen des Börsianers müssen unter anderem der Zugang zu den Brokern, das eigene Budget, die Gebühren, die technische Ausstattung, die eigenen Kenntnisse, der eigene Charakter, der Zugang zu bestimmten Märkten (Aktien, Futures ect.), die Handelsstrategien und insbesondere der gegenwärtige Marktcharakter berücksichtigt werden. Gerade der letzte Punkt bereitet dem angehenden Börsianer früher oder später große Probleme, manchmal ohne es zu merken. Marktcharaktere ändern sich. Und Strategien, die bisher gut funktionierten, können plötzlich große Verluste bringen. Und nicht bei jeder Aktie muss ein und dasselbe System funktionieren. Der Börsianer müsste demnach lernen, wann und wo er seine Strategie nicht einsetzen sollte.

  • Das Geschäftsmodell wird während des laufenden Betriebes dynamisch gestaltet.

Ersetzen wir den Begriff „Geschäftsmodell“ mit „Handelsstrategie“ sehen wir leicht, worauf es im Laufe einer Börsenkarriere ankommen könnte. Wie ich bereits im ersten Punkt angedeutet habe, sollte der Börsianer flexibel reagieren und seine Strategien und Meinungen an den Märkten anpassen oder sich passende Märkte suchen. Das klingt banal und leicht. Aber die praktische Umsetzung ist für viele Börsianer fast unmöglich. Oft können sie sich nicht eingestehen, im Unrecht zu sein.

  • Entschieden wird nicht anhand unsicherer Renditen, sondern anhand (psychologisch/wirtschaftlich) vertretbarer Verluste.

Dieser Punkt weißt darauf hin, dass lediglich das Risiko mit einiger Gewissheit bestimmt werden kann und deshalb zentraler Bestandteil des Handelns sein sollte. Führt man diesen Gedanken bis zur letzten Konsequenz weiter, wäre das Rechnen mit Risiko-Chance-Verhältnissen verschenkte Zeit – eine Aussage dem wohl die Mehrheit der Börsenprofis widersprechen würde. Sicher ist, dass Gewinne weniger vorhersagbar sind, als das Risiko. Dennoch obliegt es dem Börsianer, einen Gewinner solange wie er möchte, laufen zu lassen. Liegt der so genannte Profitfaktor im Laufe der Zeit über Eins, macht er vieles richtig.

  • Mit Unvorhergesehenem wird gerechnet und darauf zu eigenen Gunsten flexibel reagiert.

Dieser letzte Punkt bekräftigt wohl noch einmal, dass der Börsianer sich klar machen sollte, mit Überraschungen zu rechnen. Unvorhergesehenes kann nicht vermieden werden und würde an der Börse ein falsches Gefühl der Sicherheit vermitteln. Es können sich aber ebenso positive Überraschungen, wie zum Beispiel lange Gewinnreihen oder große Trends, ergeben. Um zu seinem Nutzen auf negative oder positive Ereignisse zu reagieren, kann z.B. angemessen mit unterschiedlichen Positionsgrößen operiert werden, um somit Verluste zu reduzieren oder Gewinne auszuweiten.

Fazit: Die Übertragung des Effectuation-Ansatzes auf die Börse führt uns zu den Grundlagen des Börsengeschäftes. Das stellt nicht unbedingt etwas Neues dar und wurde bereits in den Klassikern der letzten Jahrhunderte publiziert. Dennoch zeigt sich, dass der Börsenhandel und das Unternehmertum fundamentale Gemeinsamkeiten aufweisen. Außerdem liegt die Vermutung nahe, dass die Einhaltung der oben genannten Punkte zu weniger psychischen Fehlverhalten führen würde, wie es in der Behavioral Finance besprochen wird.

In diesem Sinne, hochachtungsvoll

Ihr Börsenphilosoph

Vom Willen

Ich liebe die Berge und das einsame Laufen am lauen Sommermorgen. Während alles träumt, genieße ich den Drang hinauszugehen, anders zu sein und mein eigner Herr.

Wie neulich, in der Provence…

Ihr Börsenphilosoph

Kunststück der Woche

Kunst soll uns auf Dinge aufmerksam machen, die im routinierten Alltag allzu leicht übersehen werden. Und wie schade wäre es, wenn das folgende Foto keine Beachtung fände.

Zu sehen ist ein aufgebrachter Börsianer, dessen Kleider vom Leib gerissen wurden. Einer von vielen Tausend Bangladeshis, die vor zwei Wochen ihre Börsen zu stürmen versuchten und randalierend durch die Straßen zogen. Zuvor wurde der Handel wegen stark fallender Kurse mehrmals ausgesetzt.

Manch einem kostet die Börse wirklich das letzte Hemd…

In diesem Sinne, hochachtungsvoll

Ihr Börsenphilosoph

Effectuation und Börsenhandel

Liebe Leser,

im Leben lässt sich nur wenig planen. Schaut man zurück, so wird man erkennen, dass sich vieles aus Gelegenheiten ergab, die so nicht vorhergesehen wurden. Das Ungewisse an sich ist im Rückblick selten das Problem, die Ungewissheit vorher umso mehr. Eine Situation und insbesondere das Leben nicht unter Kontrolle zuhaben, ist furchtbar. Jeder Börsenneuling kennt das: Er wirft sich in ein Abenteuer voller Erwartungen, voller Freude auf Rendite und erkennt früher oder später, dass Gewinne nicht zu planen sind.

Um länger im Spiel zu bleiben, könnte der Börsianer sein Geschäft als richtiges Unternehmen betrachten. Viele Größen der Börsenszene empfehlen die Aufstellung von Businessplänen mit genauer Beschreibung des Handelssystems und mit Zielvorgaben. Spätestens bei den ersten großen Verlustserien tritt immer wieder Ernüchterung ein. Die Realität kommt den Wünschen nicht nach. Was kann man dennoch in solch ungewissen Milieus tun, um sein eigenes Unternehmen „Börse“ zu führen?

Saras Sarasvathy, Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Virginia, erforschte jene Strategien, die erfolgreiche Unternehmer in ihrem Alltag anwenden. Die alten Management-Lehrmeinungen gehen davon aus, dass sich innovative Gründer zunächst Ziele setzen, dann Marktforschung betreiben und schließlich Businesspläne aufstellen. Sarasvathy kam zu dem Ergebnis, dass dieser Ansatz von rund 90 Prozent der Unternehmer jedoch nicht befolgt wird. Sie handeln eher situationsbedingt ohne detaillierte Pläne, d.h. sie schauen, welche Möglichkeiten sich gerade bieten und entwickeln anhand der vorhandenen Ressourcen den Ausbau ihrer Geschäfte und Netzwerke. Der große Unterschied zwischen Management-Lehre und Unternehmertum liegt darin, dass ersteres primär zielorientiert und letztes mittelorientiert ausgerichtet ist. Die Konzentration auf seine eigenen Mittel und Fähigkeiten bietet den Vorteil, mit Unsicherheiten besser umgehen zu können, ja sie sogar für den eigenen Vorteil zu nutzen. In der Entrepreneurship-Forschung hat sich dieser Effectuation-Ansatz teilweise etabliert. Die grundlegenden Schlüsse werden in fünf Punkten zusammengefasst:

  1. Die unsichere Zukunft wird nicht geplant, sondern selbst gestaltet.
  2. Unternehmerische Ideen werden ausgehend von zur Verfügung stehenden Ressourcen umgesetzt.
  3. Das Geschäftsmodell wird während des laufenden Betriebes dynamisch gestaltet.
  4. Entschieden wird nicht anhand unsicherer Renditen, sondern anhand (psychologisch/wirtschaftlich) vertretbarer Verluste.
  5. Mit Unvorhergesehenem wird gerechnet und darauf zu eigenem Gunsten flexibel reagiert.

Übertragen wir den Effectuation-Ansatz auf unser Unternehmen „Börse“, ergeben sich spannende Handlungsoptionen, die im nächsten Beitrag besprochen werden.

Nähere Informationen zur Effectuation finden sich auf den Seiten http://www.effectuation.at und http://www.darden.virginia.edu/web/Batten-Institute/

Im folgenden Video erläutert Saras Sarasvathy ihren Forschungsansatz:

In diesem Sinne, hochachtungsvoll

Ihr Börsenphilosoph

Bisheriges Jahresergebnis: -45%

Ungeduld

  • Wenn etwas schief läuft, was muss man tun?
  • Man muss etwas verändern!
  • Und was passiert dann?
  • Man wartet!
  • Wie furchtbar … für einen Börsianer …

Ihr Börsenphilosoph

Unsere Goldextremisten

Liebe Leser,

an den Börsen nichts Neues! Seien Sie Zeugen des Spektakels und genießen Sie die unglaublichen Geschichten unserer Goldjungs:

Welt Online (29.01.2011,15:49 Uhr)
Monopoligeld sagt:
Seit 1 Jahr kapiert was Gold überhaubt ist, seitdem Lebensversicherung gekündigt, Gespartes ALLES in Gold uns Silber angelegt, und JEDEN MONAT wird ALLES gesparte in Gold und Silber gepumpt.
Ich lasse mich cniht mehr Verarschen, von solchen berichten schon gar nicht.
Die Zeitungen und TV Sender sind das Sprachrohr der Eliten und Managerbosse ganz oben, LOGISCH das die nicht wollen das wir in Gold gehen und unser Geld vor ihnen schützen, und dann bringt man natürlich solche ZITTERBERICHTE um die Menschen einzuschüchter LOL“ Mit mir nicht mehr!
In meiner Firma habe ich schon 12 Leute dazu gebracht das gleiche zu tun, jeder von ihnen hat es/Das System durchschaut und investiert jeden Monat in Gold und Silber.
Ich bin Dankbar für jeden Rückgang des Goldpreises um achzukaufen(wenn ich doch nur mehr Papiergeld hätte)
Vergesst bitte NIE Elektronische Zahlen und auch Papier Geld SIND KEIN GELD, GELD SIND ROHSTOFFE UND WAHREN!“ Wenn das endlich einer verstanden hat weiß er alles“!

Und weiter gehts:

Welt Online (29.01.2011, 15:50 Uhr)
R. Rubinstein sagt:
Die Anlegerstimmung ist mitnichten umgeschlagen… Es waren vielmehr alles Korrekturen, die im Gegenteil den Aufwärtstrend bestätigt haben. Genau so wird es auch diesmal sein.
Wir dürfen nicht vergessen, dass Gold -und noch viel mehr Silber- einen sehr engen Markt darstellen, der von Tradern beherrscht wird. Obendrein steht er im Verdacht (besonders der Silbermarkt) von einigen wenigen Inhabern gigantischer Shortpositionen manipuliert zun werden, was zu Beschwerden bei der Aufsichtsbehörde geführt hat.
Gold und Silber atmen durch, ebenso, wie es Aktien ständig tun.
Schon sehr bald werden sie wieder steil ansteigen – wenn die Inflation ihr hässliches Gesicht zeigt.

Köstliche Unterhaltung! Und was wurde 1980 geschrieben, als sich der Goldpreis in der Nähe seines inflationsbereinigten Allzeithochs befand?

Die Zeit (25.07.1980)
Damit ist der Zeitpunkt für den besonnenen Goldinteressenten gekommen, Kaufüberlegungen anzustellen, meine verehrten Leser. Auch wenn der Preis, wie gelegentlich behauptet wird, noch unter 500 Dollar je Unze sinken könnte. Auf die Dauer wird der Goldpreis jedoch steigen. Spätestens in der nächsten politischen Krise. Und wer will behaupten, daß es keine mehr geben wird?

Tja, und wie sah es dann einige Wochen später aus?

Die Zeit (10.10.1980)
Damals schien es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann für eine Feinunze 1000 Dollar gezahlt werden mußte. Aber dazu kam es nicht. Am 18. März wurden nur noch 480 Dollar geboten. Mit diesem Rückfall war die heißeste Goldspekulation der Nachkriegszeit zusammengebrochen. Heute wissen wir, meine verehrten Leser, daß die sowjetische Aggression in Afghanistan sozusagen nur der letzte Anstoß für die Goldspekulanten war. Vorbereitet war die Gold Hausse schon Monate vorher durch spekulative Käufe auf Termin. Das Zentrum der Edelmetall Spekulation lag in den USA. Daß in ihrer letzten Phase noch Spekulanten aus Europa, auch aus der Bundesrepublik, auf den fahrenden Goldzug gesprungen sind und dabei meist empfindliche Verluste erlitten haben, war die Folge einer Massenhysterie, die immer wieder bei solchen Preisbewegungen zu beobachten ist.

Bis heute haben die Opfer der damaligen Massenhysterie nichts verdient. Aber heute ist ja wie immer alles ganz anders … Wie schade für unsere Goldjungs…

In diesem Sinne, hochachtungsvoll

Ihr Börsenphilosoph

%d Bloggern gefällt das: